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Sicherheitsbestand ist zusätzlicher Bestand, der als Puffer gegen Unsicherheiten in Nachfrage und Angebot gehalten wird, um Produktverfügbarkeit sicherzustellen und Umsatzverluste zu verhindern. Die Berechnung des optimalen Niveaus erfordert ein Abwägen zwischen Out-of-Stock-Risiko und den Kosten für Überbestand, unter Berücksichtigung von Nachfragevolatilität, Lieferzeiten und Ziel-Servicelevels, häufig mithilfe einer servicelevelgetriebenen Formel (Z-Score × Standardabweichung der Nachfrage während der Lieferzeit × durchschnittliche Nachfrage während der Lieferzeit) zur kontinuierlichen Anpassung.

Wie viel Sicherheitsbestand brauchen Sie wirklich?

Für viele Unternehmer klingt es verlockend, umfangreiche Sicherheitsbeständen zu halten. Denn eine höhere Verfügbarkeit führt auf den ersten Blick zu zufriedenen Kunden und steigenden Gewinnen. Doch eine falsche Entscheidung kann zum teuren Fehler werden. Und die Folgen ziehen sich durch das gesamte Geschäft.

Die Welt ist heute unberechenbarer denn je: Streiks in wichtigen Logistikzentren, Kriege, die Nachwirkungen der Pandemie und wachsende Umweltauflagen. Ergebnis: Eine reibungslose Supply Chain zu führen, war noch nie so anspruchsvoll.

Gefühlt stehen wir täglich vor der nächsten Krise – ob Inflation, Rezession oder ein politischer Kurswechsel aus dem Nichts. Ihre Lieferkette steht unter Hochspannung.

Und wer jetzt Umsätze verschenkt, Lagerfläche blockiert oder abgelaufene Ware entsorgt, setzt sein Unternehmen einem enormen Risiko aus.

Wie gelingt also der perfekte Balanceakt beim Sicherheitsbestand? Finden wir es heraus.

 

Safety Stock Full Warehouse

 

Sicherheitsbestand, was ist das?

Der Sicherheitsbestand dient als Puffer gegen die Unvorhersehbarkeit. Dabei handelt es sich um die zusätzliche Lagerbestandmenge, die über den erwarteten Absatz hinaus vorgehalten wird.

Natürlich schwankt sowohl die Nachfrage als auch das Angebot. Ein angemessener Sicherheitsbestand stellt sicher, dass Sie die gewünschten Produkte liefern können. Mit dem optimalen Sicherheitsbestand verfügen Sie über einen ausreichenden Bestand, um Aufträge zu erfüllen, Ihre Kunden zufrieden zu stellen, finanzielle Verluste durch entgangene Verkäufe zu vermeiden und den Ruf Ihrer Marke aufrechtzuhalten.

Im Kern ist der Sicherheitsbestand ein wichtiger Puffer für den Worst-Case und dient Ihnen in Zeiten, in denen Lieferanten nicht zuverlässig sind oder Störungen der Lieferketten auftreten.

Folglich sollte das Sicherheitsbestandsniveau mit einer robusten Analyse zur Berechnung des künftigen Bedarfs gestützt werden.

Der Sicherheitsbestand ist im Wesentlichen Ihr Puffer für den schlimmsten Fall. Er hilft Ihnen in Zeiten, in denen Ihre Lieferanten Sie im Stich lassen, und fungiert als Überziehungskredit für Zeiten der Turbulenzen. Daher sollte die Höhe dieses Pufferbestands mit einer soliden Analyse zur Berechnung des künftigen Bedarfs untermauert werden.

 

Sicherheitsbestand: Risiken und Nachfrage abwägen

Wenn ein von Ihnen neu eingeführtes Produkt direkt ausverkauft ist, würden Sie dies als immensen Erfolg betrachten?

Die meisten Unternehmen würden auf diese Frage mit einem klaren “Ja” antworten. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass Sie möglicherweise eine große Anzahl potenzieller Kunden enttäuschen, die bei Ihnen einkaufen wollten, wenn Sie nicht über ausreichend Lagerbestand verfügen. Dies sind entgangene Einnahmen und entgangener Gewinn.

Wenn dies der Fall sein sollte, ist es ein Zeichen dafür, dass Sie Entscheidungen in Bezug auf Ihre Lagerbestände zu vorsichtig getroffen haben. Zudem signalisiert der Ausverkauf, dass Sie von Anfang an mehr hätten investieren sollen.

Da die Nachfragemenge bei einer Produkteinführung unbekannt ist, ist es heikel einen optimalen Bestand abzuschätzen. Deshalb ist es verständlich, dass Sie sich nicht zu stark auf einen bestimmten Bestand festlegen wollen, den Sie vielleicht nicht verkaufen werden. Nun, da Ihr neu eingeführtes Produkt ausverkauft ist, müssen Sie die Folgen dafür tragen, dass Sie nicht mehr eingekauft haben.

Hätten Sie Ihre Bestände erhöhen und dadurch ein größeres Risiko eingehen sollen? Möglicherweise. Aber so wie Sie den Erfolg eines Produkts nicht vorhersagen können, Können Sie auch seinen Misserfolg nicht vorhersagen.

Bei Produkten, deren Erfolg stark von aktuellen Trends abhängt, ist es noch komplexer die zukünftige Nachfrage und den Markterfolg vorherzusagen.

 

Safety Stock Fidget Spinner

 

Sehen Sie sich den Erfolg und Fall der Fidget-Spinner an. In nur wenigen Tagen waren die kleinen Spielzeuge auf allen Schulhöfen im ganzen Land zu finden. Viele Unternehmen investierten in diese Produkte und für einen kurzen Zeitraum machten sie 17 % des gesamten Spielzeugumsatzes aus. In dieser Situation in Sicherheitsbestände zu investieren, erschien eine sichere Sache. Doch so schnell wie die Fidget-Spinner auf den Markt gekommen waren, so schnell verschwanden sie auch wieder aus dem Bewusstsein der Käufer.

Die Absätze von Fidget-Spinnern sind mittlerweile komplett eingebrochen. Jedes Unternehmen, welches überinvestiert hat, hat wahrscheinlich noch tausende davon in ihren Lagern … außer, der Restbestand wurde bereits auf die Mülldeponie gebracht.

An dieser Stelle ist die Erkenntnis einfach: Sicherheitsbestände zu optimieren ist ein Balanceakt, bei dem man sich keinen Fehltritt leisten sollte. Zudem müssen Sie kontinuierlich das richtige Gleichgewicht zwischen Servicelevel, der Kapitalbindung in Lagerbeständen und den verbundenen Risiken finden.

 

Welche Faktoren sollten bei der Festlegung des Sicherheitsbestands berücksichtigt werden?

Sie können so viel Zeit und Geld für Daten und Analysen aufwenden, wie Sie wollen, es ist fast unmöglich, die tatsächliche Nachfrage perfekt vorherzusagen.

Und auch, wenn Sie noch so gute Lieferantenbeziehungen haben, ist es nie mit Sicherheit planbar, ob Lieferungen pünktlich und in der richtigen Menge ankommen.

Hier kommt der Sicherheitsvorrat ins Spiel. Dieser kann Sie vor den Störungen schützen, die sowohl durch abweichende Lieferzeiten als auch durch ungenaue Bestellmengen entstehen.

Bei der Berechnung des Sicherheitsbestands sollten Sie vier Bereiche berücksichtigen:

  • Volatilität der Nachfrage
  • Lieferfristen und -zuverlässigkeit der Lieferanten
  • Ziele für das Servicelevel
  • Das “reale” Risiko, nicht mehr vorrätig zu sein

 

Wichtige Komponenten der Berechnung eines Sicherheitsbestands

Um den idealen Sicherheitsbestand für Ihr Unternehmen zu ermitteln, müssen Sie die Kosten durch zu hohe Lagerbestände analysieren und diese gegen das Risiko (und die Auswirkungen) eines Bestandsmangels abwägen.

Im Folgenden finden Sie einige einfache Orientierungspunkte zur Ermittlung Ihres optimalen Sicherheitsbestands:

1. Bestimmen Sie die Vorlaufzeit:

Nachdem Sie eine Bestellung bei Ihrem Lieferanten aufgegeben haben, wie lange wird es dauern, bis die Ware bei Ihnen ankommt? Je länger dieser Zeitraum ist, desto größer ist das Risiko von Störungen und Unsicherheit. Wenn Ihre Vorlaufzeiten minimal sind, ist der Bedarf an Sicherheitsbeständen weniger dringend. Wenn aber die Vorlaufzeiten Monaten überschreiten, dann ist Ihr Bedarf an Sicherheitsbestand höher.

2. Bestimmen Sie die Variabilität der Nachfrage:

Ist es wahrscheinlich, dass dieses Produkt den gleichen Weg wie die Zappelphilippe geht und die Nachfrage stark abfällt? Oder hat das Produkt eine gewisse Langlebigkeit? Sie können Bedarfsschwankungen berechnen, indem Sie historische Verkaufsdaten analysieren oder statistische Prognosemethoden verwenden.

3. Berechnen Sie das Servicelevel:

Wie wichtig ist das Produkt für Ihre Kunden? Um diese Frage zu beantworten, legen Unternehmen angestrebte Servicelevels fest. Je höher der anvisierte Wert, desto höher der benötigte Sicherheitsbestand.

Einige Produkte sind jedoch wichtiger als andere. Daher ist es sinnvoll, Ihre Investitionen in den Sicherheitsbestand auf diese kritischen Produkte zu konzentrieren.

4. Eine geeignete Formel für den Sicherheitsbestand anwenden:

Wie würden sie momentan Ihre Sicherheitsbestände bewerten? Machen Sie dies nach Gefühl? Oder nutzen Sie verschiedene Daten, um eine rationale Entscheidung zu treffen? Es gibt einige Sicherheitsbestandsformeln, die Sie nutzen können.

Die folgende Grafik stellt die wichtigsten Formeln in diesem Kontext dar:

Formel Berechnung Geeignet für…
Fester Sicherheitsbestand Feste Menge Geeignet für Artikel mit konstanter Nachfrage und Lieferzeit
Regelmäßige Überprüfung (Maximaler Bedarf x Maximale Lieferzeit) – (Durchschnittlicher Bedarf x Durchschnittliche Lieferzeit) Geeignet für Artikel mit saisonaler oder unregelmäßiger Nachfrage
Servicelevel-gesteuerter Sicherheitsbestand Z-Score x Standardabweichung des Bedarfs während der Lieferzeit x Durchschnittlicher Bedarf während der Lieferzeit Geeignet für Artikel mit unvorhersehbarer Nachfrage oder Lieferzeit
Erlang C (Durchschnittliche Nachfrage während der Lieferzeit x Lieferzeit in Tagen) + Sicherheitsfaktor Geeignet für Artikel mit langen Lieferzeiten und kurzer Verkaufssaison

Wie man den Sicherheitsbestand berechnen kann

Eine der gängigsten Methoden ist der Servicelevel-orientierte Ansatz. Wer die Gleichung genauer unter die Lupe nimmt, erkennt schnell die vielen Varianten des Modells – und wie eng Servicelevel und Sicherheitsbestand tatsächlich miteinander verflochten sind.

Die Sicherheitsbestandsformel

Wie in der folgenden Tabelle dargestellt, lautet die betreffende Formel:

Sicherheitsbestand = Z-Score x Standardabweichung der Bedarfsmengen während der Lieferzeit x Durchschnittlicher Bedarf während der Lieferzeit

Im nächsten Abschnitt wird es ein wenig technischer, aber bleiben Sie dran.

Was ist ein Z-Score?

Ein  Z-Score (oder Standardwert) ist ein Begriff, der die Anzahl der Standardabweichungen eines Datenpunkts vom Durchschnitt angibt. Um ein höheres Servicelevel-Ziel zu erreichen, müssen Sie in der Lage sein, eine größere Abweichung abzudecken, um das Risiko von Fehlbeständen zu verringern. Daher steigt der Z-Score mit der Erhöhung des angestrebten Servicegrads.

Den für das gewünschte Service-Level entsprechenden Z-Score können Sie in der folgenden Tabelle der Standardnormalverteilung nachschlagen:

Servicelevel Z-Score
90% 1.28
92% 1.75
95% 1.96
97% 2.17
99% 2.58

Was ist die Standardabweichung der Nachfrage während der Lieferzeit?

Der nächste Schritt ist die Betrachtung der Standardabweichung der Nachfrage während der Lieferzeit. Dies ist das statistische Maß für die Variabilität der Nachfrage nach einem Produkt während der vorgegebenen Lieferzeit eines Lieferanten.

Des Weiteren gibt die beschriebene Variabilität an, in welchem Maße die Nachfrage nach einem Produkt während der Lieferzeit schwanken oder von ihrem Durchschnittswert abweichen kann. Um diese Abweichungen zu berechnen, können Sie entweder auf die Verkaufsdaten der vergangenen Jahre zurückgreifen oder eine statistische Prognosemethode anwenden.

Eine höhere Standardabweichung deutet auf ein höheres Maß an Unsicherheit oder Variabilität in der Nachfrage hin, während eine geringere Standardabweichung auf eine größere Stabilität in den Nachfragemustern hindeutet.

 

Was ist die durchschnittliche Nachfrage während der Lieferzeit?

Dies bezieht sich auf die durchschnittliche Nachfrage nach einem Produkt, die Ihr Unternehmen während der Lieferzeit erwartet. Damit ist also die Zeitspanne zwischen dem Auslösen einer Bestellung und dem Eintreffen der Ware vom Hersteller oder Lieferanten gemeint.

Zur Berechnung der durchschnittlichen Nachfrage während der Lieferzeit wird in der Regel die vergangene oder erwartete Nachfrage nach dem Produkt über einen bestimmten Zeitraum herangezogen, um die Höhe der Nachfrage in diesem Zeitraum zu schätzen.

An dieser Stelle ist wichtig zu betonen, dass der beschriebene Prozess kein einmaliges Ereignis – etwa bei der Einführung eines neuen Produkt – sein darf, sondern in regelmäßigen Abständen wiederholt werden sollte. Außerdem wäre es sinnvoll diese Daten immer zu überwachen und diese auch anzupassen, wenn sich Nachfragemuster oder Lieferzeiten ändern sollten.

 

Wie wirkt sich eine unsichere Nachfrage auf den Bedarf an Sicherheitsbeständen aus?

Selbst wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit klar ist, wie sich eine unsichere Nachfrage auf den Bedarf an Sicherheitsbeständen auswirkt, möchten wir es dennoch genauer erklären.

Wenn Ihre Nachfrage nur leicht oder gar nicht schwankt, ist es wahrscheinlich, dass Sie nur einen geringen oder gar keinen Sicherheitsbestand benötigen. Unternehmen, deren Nachfrage so verlässlich ist, dass man sich blind darauf verlassen könnte, laufen selten Gefahr Out-of-Stock zu gehen. Ebenso selten müssen Sie als Unternehmen mit einem plötzliche Nachfragerückgang rechnen.

Unternehmen mit solchen Nachfragemustern sind selten, wenn es sie überhaupt gibt. Es ist viel wahrscheinlicher, dass Ihr Unternehmen und Ihre Wettbewerber ständigen Nachfrageschwankungen ausgesetzt sind. Denn die meisten Unternehmen sind dem Risiko von Lieferengpässen und Überbeständen ausgesetzt. Diese Ungewissheit macht den Bedarf von Sicherheitsbestand zu einem Muss und die Berechnung des optimalen Werts unglaublich wichtig.

Die meisten Unternehmen sind dem Risiko von Fehlbeständen und Überschüssen ausgesetzt. Diese Ungewissheit macht den Bedarf an Sicherheitsbeständen zu einem Muss und die Berechnung ihres Umfangs unglaublich wichtig.

 

Wie kann die Lieferzeit den Bedarf an Sicherheitsbeständen beeinflussen?

Das Konzept des Sicherheitsbestands ist ein nützliches Instrument, um Unsicherheiten zu abdecken, die aus unbeständigen Lieferzeiten resultieren.

Sie wissen bestimmt, wie ärgerlich es ist, wenn Sie nach einer Bestellung länger als erwartet auf ein Produkt warten müssen … selbst, wenn es sich dabei um Ihre übliche Bestellung bei einem Lieferdienst am Freitagabend handelt. Wenn dieses Produkt jedoch den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust ausmacht, ist es noch wichtiger. Bei Produkten mit sehr kurzen Lieferzeiten ist es kein so großes Problem, da dies auch eine geringere Schwankungsbreite mit sich bringt.

Wenn Sie als Kunde zum Beispiel eine Bestellung tätigen, die eine Lieferzeit von einem Tag hat, ist es höchst unwahrscheinlich, dass eine Störung die angebende Lieferzeit über ein noch vertretbares Maß hinauszögert. Natürlich kommt es mal vor, ist aber sehr unwahrscheinlich.

In diesem unwahrscheinlichen Fall könnte man davon ausgehen, dass der Kunde ein Verständnis zeigt, wenn sich die Lieferung nur um einen Tag verzögert und der Sicherheitsbestand wird nicht gebraucht, um eine Fehlmenge abzudecken. Vergleicht man dies jedoch mit Produkten, die z.B. aus dem Fernosten in das Vereinigte Königreich versandt werden, so sind sowohl die Lieferzeit als auch das Risiko wahrscheinlich viel höher.

Sagen wir, es dauert bis zu 12 Wochen, bis der Kunde seine Bestellung erhält. In diesen 12 Wochen gibt es mehr Variablen, und die potenzielle Verlängerung der Lieferzeit ist weitaus größer.

Ist einer Ihrer Kunden bereit, weitere 12 Wochen zu warten, zusätzlich zu den 12 Wochen, die er bereits wartet? Sehr wahrscheinlich nein.

Auch wenn der Kunde wartet, dieser wird nicht gerade glücklich über die lange Lieferzeit sein. Also, um die gleiche Produktverfügbarkeit aufrechtzuerhalten, wird ein höherer Sicherheitsbestand gebraucht.

 

Sollte der Sicherheitsbestand auch die Zuverlässigkeit der Lieferanten miteinbeziehen?

Es ist leicht, Ihren Lieferanten die Schuld für Lieferverzögerungen und Probleme zu geben. Schließlich sind diese dafür verantwortlich, dass bestellte Ware zu Ihnen gelangt. Aber mit Schuldzuweisungen kommt man nicht weit und es wird auch nicht das Vertrauen Ihrer Kunden darin stärken, dass Sie in der Lage sein werden, die von ihnen gewünschten Waren zu liefern.

Sollten Sie also den Sicherheitsbestand erhöhen, wenn Ihre Lieferanten sehr unzuverlässig sind? Die Antwort ist ja. Es hat keinen Sinn, Ihren Kunden mitzuteilen, dass Sie erneut von Lieferanten im Stich gelassen wurden. Sie werden einfach woanders einkaufen und sich fragen, warum Sie als Unternehmen keine Reserven haben.

Wenn aber ein Lieferant ständig in Verzug ist oder regelmäßig nicht die zugesagte Gesamtmenge liefert, sollten Sie dies hinterfragen. Möglicherweise gibt es Lücken in Ihren Daten. Vielleicht ist es auch an der Zeit, die Problematik direkt anzugehen, sei es durch weitere Kooperationsversuche oder durch die Suche nach alternativen Bezugsquellen.

 

Warum hat das Servicelevel einen so großen Einfluss auf den Sicherheitsbestand?

Das Ziel ein hundertprozentiges Servicelevel aufrechtzuerhalten, scheint auf den ersten Blick sinnvoll. Leider ist es aber höchst unrealistisch, wenn nicht sogar beinahe unmöglich. Es ist klar, dass Sie Ihren Kunden eine hundertprozentige Zufriedenheit entsprechend ihrer Nachfrage bieten möchten. Wenn Sie die Hundertprozent anstreben, müssen Sie wahrscheinlich einen so großen Sicherheitsbestand anlegen, dass Sie Ihr Unternehmen einem hohen Risiko aussetzen.

Natürlich ist es nur natürlich, dass Sie Ihren Kunden eine 100%ige Zufriedenheit bieten wollen, die auf deren Nachfrage basiert. Aber wenn Sie 100 % anstreben, müssen Sie wahrscheinlich einen so großen Sicherheitsvorrat anlegen, dass Sie Ihr Unternehmen einem hohen Risiko aussetzen.

Der Grund dafür, dass das Servicelevel ein so wichtiger Faktor für die Sicherheitsbestände ist, liegt in der direkten Korrelation zwischen diesen beiden Faktoren. Und es müssen nicht unbedingt 100% sein, um Ihr Risiko zu erhöhen.

Je größer Ihr Wunsch als Unternehmen ist, die Nachfrage Ihrer Kunden zu befriedigen, desto höher muss Ihr Sicherheitsbestand sein und damit steigt auch das Risiko. Schlussendlich sind Produktengpässe bedauerlich. Damit lassen Sie Umsatzpotenzial ungenutzt. Allerdings sind Überbestände ebenso ein großes Problem.

Wenn Sie in Sicherheitsbeständen investieren, binden Sie wertvolles Betriebskapital. Und wenn diese Bestände nie umgeschlagen werden, kann Ihr investiertes Geld für immer verloren sein.

Sie sollten dabei auch nicht den Stress vergessen, den ein hoher Bestand auf Ihr Lager und Ihre logistischen Abläufe ausübt.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihre eigenen Annahmen über Sicherbestände hinterfragen.

 

Sie sollten die strategische Bedeutung dieser Produkte analysieren und sich dabei folgende Fragen stellen:

  • Haben sie eine Haltbarkeitsdauer?
  • Ist es wahrscheinlich, dass sich die Produkte irgendwann verkaufen werden?
  • Sind sie im Allgemeinen schnelllebig?
  • Ist das Produkt Teil eines vorübergehenden Trends oder saisonal?
  • Könnten Sie das Geld alternativ in andere Unternehmensbereiche investieren, die ein geringeres Risiko aufweisen?

 

Was ist, wenn das Risiko einer Out-of-Stock-Situation gering ist?

Es gibt einige Fälle, in denen das Risiko eines Stockouts gering ist, wie z. B. bei einem Produkt mit einer Mindestbestellmenge, die den voraussichtlichen Kundenbedarf für ein ganzes Jahr abdeckt.

Wenn Ihr Unternehmen nur eine Bestellung pro Jahr tätigt und die Nachfrage konstant ist und sich erst in vielen Monaten auf die Kundenzufriedenheit auswirkt, ist dies weniger ein Problem.

Selbst wenn die Nachfrage nach dem Produkt in die Höhe schießt und die Volatilität zunimmt, haben Sie genügend Zeit, Ihre Bestände wieder aufzufüllen, falls sie zu niedrig sind. Und lange Lieferzeiten lassen sich frühzeitig erkennen – Sie haben also ausreichend Vorlauf zur Schadensbegrenzung.

 

Sind Ihre Sicherheitsbestände angemessen?

Sicherheitsbestände scheinen auf den ersten Blick ein einfach zu lösendes Problem zu sein: Bestellen Sie etwas, aber nicht so viel, dass es ein Risiko darstellt. Eine Entscheidung solchen Ausmaßes zu treffen, die nur auf Vermutungen beruht, ist jedoch ein schlechter Schachzug.

Verwenden Sie die vorgestellten Formeln, um eine kontinuierliche Analyse vorzunehmen und Ihr Unternehmen gegen Marktschwankungen abzusichern.

Krisen können Sie nicht verhindern. Aber Sie können vorbereitet sein. Mit klugem Bestandsmanagement, reduziertem Risiko und kontrollierten Einnahmen schaffen Sie eine solide Basis für die Zukunft.

Im Wesentlichen läuft es auf die folgenden zwei Fragen hinaus:

  • Haben Sie genügend Bestand, um Nachfrage zu decken?
  • Haben Sie Überbestand?

Es ist ein schmaler Grat zwischen zu viel und zu wenig Bestand. Aber genau dort setzen wir an. Sprechen Sie unverbindlich mit einem unserer Experten und bringen Sie Ihren Sicherheitsbestand auf Erfolgskurs.

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FAQs zum Sicherheitsbestand

Der Begriff Sicherheitsbestand bezieht sich auf den Bestand, den ein Unternehmen über die durchschnittlich erwartete Nachfrage hinaus bevorratet, um einen Puffer für Unsicherheiten bei Nachfrage und Angebot zu schaffen. Er dient als Sicherheitsnetz, um Risiken durch volatile Kundennachfrage, Lieferengpässen, Produktionsproblemen oder anderen unvorhergesehenen Störungen in der Lieferkette zu mindern.

Der Sicherheitsbestand ist für den Schutz vor Nachfrage- und Angebotsschwankungen unerlässlich. Im Wesentlichen stellt der Sicherheitsbestand die Verfügbarkeit auch bei Verzögerungen der Lieferzeiten, Leistungsprobleme der Lieferanten und unerwarteter Nachfrage sicher.

Für die Berechnung des Sicherheitsbestands gibt es verschiedene Ansätze. Welche Methode Sie anwenden sollten ist unternehmensspezifisch und hängt von Ihren Zielen beim Bestandsmanagement ab. Gängige Methoden zur Berechnung des Sicherheitsbestands sind:

  • Methode der Standardabweichung
  • Service-Level-gesteuerter Ansatz
  • Bestellpunktverfahren
  • Min/Max-Ansatz

Sicherheitsbestände sind nichts, was einmal für alle Zeiten festgelegt wird. Sie sollten Ihren Sicherheitsbestand ständig überprüfen und hinterfragen. Um den Sicherheitsbestand zu optimieren und das richtige Balance zwischen Bestandskosten und Servicelevel zu finden, können Sie Folgendes tun

  • Verbessern Sie die Genauigkeit Ihrer Bedarfsprognosen
  • Optimieren Sie das Servicelevel
  • Pflegen Sie die Zusammenarbeit mit Lieferanten zur Vermeidung von Verzögerungen und Engpässen
  • Verbessern Sie die interne Kommunikation zur Gewährleistung einer abgestimmten Planung
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