Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis- Bereiten Sie Ihre Lieferkette auf das chinesische Neujahrsfest vor: Ein strategischer Leitfaden
- Warum das chinesische Neujahrsfest für Lieferketten wichtig ist
- Chinesisches Neujahr: 21 Fragen, die Sie sich stellen müssen
- 8 Tipps für ein starkes Bestandsmanagement rund um das chinesische Neujahrsfest
- Chinesisches Neujahr: Die wichtigsten Planungsschritte
- Fazit
Überblick
Das chinesische Neujahr (CNY) zählt zu den disruptivsten, zugleich aber auch vorhersehbarsten Ereignissen im globalen Supply-Chain-Kalender, insbesondere für Unternehmen, die Waren aus China und dem asiatischen Raum beziehen. Durch vollständige Produktionsstillstände, Arbeitskräfteengpässe, Engpässe im Frachtverkehr sowie längere Erholungsphasen können die Lieferketten über einen Zeitraum von bis zu 40 Tagen oder mehr beeinträchtigt werden. Eine frühzeitige und strukturierte Planung für CNY 2026 ist daher unerlässlich. Dieser Beitrag erklärt, warum CNY derart starke Auswirkungen hat, zeigt zentrale Risiken für Produktion, Logistik und Lagerbestände auf und bietet einen praxisorientierten Rahmen für eine effektive Vorbereitung. Mit den richtigen Planungsfragen, konsequentem Bestandsmanagement und einer klaren bereichsübergreifenden Abstimmung können Unternehmen ihr Servicelevel schützen, Kosten kontrollieren und ihre Resilienz während der CNY-Disruptionsphase und darüber hinaus stärken.
Das Chinesische Neujahrsfest (CNY) gehört zu den bedeutendsten, wiederkehrenden Störfaktoren globaler Lieferketten. Für Unternehmen, die Produkte oder Komponenten aus Asien, insbesondere aus China, beziehen, führt die Feiertagssaison zu verlängerten Produktionsstillständen, Arbeitskräfteengpässen, Engpässen im Frachtverkehr und komplexen Planungsentscheidungen.
Mit Blick auf das chinesische Neujahr, ist es wichtig, frühzeitig mit der Vorbereitung zu beginnen. Die Störung betrifft dabei nicht nur die Feiertage selbst: Unter Einbeziehung der Produktionsverlangsamung vor dem Fest und der längeren Ramp‑Up‑Phase nach der Rückkehr der Arbeitskräfte können Lieferketten über 40 Tage oder länger beeinträchtigt sein. Unternehmen, die frühzeitig planen und robuste Strategien anwenden, sind viel besser in der Lage, ihren Betrieb zu schützen, die Produktverfügbarkeit aufrechtzuerhalten und kostspielige Lagerengpässe zu vermeiden.
Warum das chinesische Neujahrsfest für Lieferketten wichtig ist
Das chinesische Neujahrsfest ist eine der größten jährlichen Migrationsbewegungen der Welt, da Millionen von Arbeitnehmern nach Hause zurückkehren, um mit ihrer Familie zu feiern. Für Produktionszentren in China und ganz Asien führt dies zu längeren Produktionsstillständen und erheblichen Produktionsrückgängen.
Für die Supply-Chain-Teams sind die Folgen bekannt:
- Produktionsstopps und längere Lieferzeiten: Viele Fabriken fahren schon Wochen vor den Feiertagen ihre Produktion runter und erreichen erst im Laufe des März wieder das volle Leistungsniveau.
- Steigende Frachtkosten: Kurz vor den Schließungen steigt die Nachfrage nach See- und Luftfracht stark an, was die Preise regelmäßig nach oben treibt.
- Überlastung der Häfen: Vor und nach den Feiertagen kommt es häufig zu Überlastungen in den Häfen, was die Verweildauer verlängert, und die Zollabfertigung verzögert.
- Arbeitskräftemangel: Auch Lagerhäuser, Transportdienstleister und Last-Mile-Spediteure spüren die Auswirkungen, da die Verfügbarkeit von Arbeitskräften stark zurückgeht.
Diese Faktoren sorgen für vorhersehbare Schwankungen. Frühe Vorbereitung ist daher keine Option, sondern entscheidend, um Servicelevel und Umsätze zu schützen.
Chinesisches Neujahr: 21 Fragen, die Sie sich stellen müssen
Eine nützliche Referenz für jedes Bestands- und Logistikteam ist die folgende Checkliste mit 21 strategischen Fragen, die als Rahmen für Ihren Planungsprozess dienen sollte.
| 1. Haben Sie einen CNY‑Projektstart definiert? Je früher Sie beginnen, desto besser ist Ihre Supply Chain abgesichert. |
| 2. Wissen Sie, ob Ihre Lieferanten während des Shutdowns noch Bestellungen annehmen oder vollständig schließen? |
| 3. Sind die Produktionslieferzeiten vor der Schließung aufgrund steigender Bestellungen länger? |
| 4. Setzen Ihre Lieferanten vor dem Shutdown geänderte Bedingungen wie höhere Mindestbestellmengen oder größere Losgrößen durch? |
| 5. Werden die Lieferzeiten aufgrund des erhöhten Frachtvolumens länger sein? |
| 6. Verfügen Sie über ausreichend Lagerkapazität für die erhöhten geplanten Bestellungen? |
| 7. Falls externes Lager nötig ist: Haben Sie den Bedarf und die Dauer berechnet und Konditionen bereits verhandelt? |
| 8.Haben Sie Lieferanten außerhalb Chinas, die trotzdem betroffen sein könnten? Beispiel: Lieferanten in Vietnam könnten ebenfalls – wenn auch geringer – betroffen sein. Viele asiatische Lieferanten beziehen Komponenten aus China und Lieferungen könnten dadurch indirekt verzögert werden |
| 9. Planen Sie, während des betroffenen Zeitraums neue Produkte auf den Markt zu bringen? Haben Sie eine belastbare Prognose erstellt? |
| 10. Haben Sie mit Sales & Marketing geklärt, ob Frühjahrs‑Promotions geplant sind? Kennen Sie die Auswirkungen? |
| 11. Haben Sie überlegt, wie die Wareneingänge zeitlich gestaffelt werden sollen? |
| 12. Verfügt Ihr Lager- und Logistikteam über die personellen Ressourcen, um das zusätzliche Volumen zu bewältigen, sobald die Waren eintreffen? |
| 13. Haben Sie sich mit Finance über mögliche kurzfristige Budgetrestriktionen abgestimmt? |
| 14. Bei Auslaufartikeln oder Produkten kurz vor der Obsoleszenz müssen unterschiedliche Mindestbestellmengen bedacht werden, um Abschreibungen zu vermeiden. |
| 15. Wenn Sie historische Daten nutzen: Haben Sie Forecasts an Nachfragespitzen oder -rückgange angepasst? |
| 16. Haben Sie Ihre Forecasts über den gesamten Bestellhorizont hinweg validiert – einschließlich der Shutdown-Phase? |
| 17. Haben Sie Ihre Pläne mit dem Lieferanten abgestimmt, um deren Umsetzbarkeit sicherzustellen? Vorteil: Lieferanten sehen Ihre Nachfrage nach dem chinesischen Neujahrsfest und können Kapazitäten vorbereiten. |
| 18.Haben Sie mit Lieferanten einen Qualitätssicherungsprozess implementiert? Schlechte Qualität kann Lieferungen weiter massiv verzögern. Ein belastbarer Prüf‑ und Inspektionsplan reduziert dieses Risiko deutlich. |
| 19. Können Sie aufgrund von Restriktionen nicht die für Sie idealen Mengen bestellen? Haben Sie analysiert, wie Bestellmengen reduziert werden können und welche Auswirkungen dies hat? |
| 20. Haben Sie alternative Lieferanten geprüft? Lokale Lieferanten bieten meist kürzere Lieferzeiten, jedoch zu geringerer Marge. Prüfen Sie die Auswirkungen auf Lagerbestand, Kapitalbindung und Obsoleszenzrisiko. |
| 21. Haben Sie mit Finance bestätigt, dass Bestellpläne und zusätzliche Kosten (z. B. Mietpersonal, Zusatzlager) innerhalb der Cashflow Grenzen liegen? |
8 Tipps für ein starkes Bestandsmanagement rund um das chinesische Neujahrsfest
Um strategische Planung in konkrete Umsetzung zu überführen, finden Sie hier eine Auswahl taktischer Maßnahmen, die Planung und operative Ausführung rund um das Chinesische Neujahrsfest deutlich reibungsloser machen:
1. Lieferantenpläne frühzeitig bestätigen
Viele Lieferanten beginnen 1–2 Wochen vor dem chinesischen Neujahrsfest, ihre Produktion herunterzufahren, und benötigen anschließend oft mehrere Wochen, um wieder zur normalen Auslastung zurückzukehren. Wenn die Pläne der Lieferanten nicht rechtzeitig bestätigt werden, kann es passieren, dass Bestellungen erst 1–2 Monate später platziert werden können – mit entsprechend offenen oder verspäteten Aufträgen.
Wie lässt sich das verhindern? Kontaktieren Sie Ihren Lieferanten frühzeitig und lassen Sie sich die gesamte Lieferzeit in Produktions‑ und Transportzeit aufschlüsseln. So können Sie sicherstellen, dass Ihre Waren noch vor Beginn des chinesischen Neujahrsfests versendet werden und rechtzeitig eintreffen.
Beachten Sie auch die erforderliche Wiederanlaufphase. Wenn die Produktion deines Lieferanten nicht sofort wieder auf Hochtouren läuft, kann eine zusätzliche Pufferzeit sinnvoll sein, bis Ihr Lieferant wieder über volle Kapazitäten verfügt.
2. Artikel in dringend vs. nicht dringend unterteilen
Unterteilen Sie Ihre Bestellungen in dringende Artikel, die zeitkritisch sind, und weniger dringende Artikel, die nicht sofort benötigt werden. Berücksichtige Sie außerdem Änderungen im Produktlebenszyklus und geplante Werbeaktionen in der Zukunft. Die Identifizierung Ihrer kritischen Artikel hilft, Engpässe zu vermeiden.
Mit ausreichender Lagerkapazität für die richtigen Artikel bleiben Sie auch während der chinesischen Neujahrszeit lieferfähig. Indem Sie sich zur richtigen Zeit auf die richtigen Artikel konzentrieren, vermeiden Sie, dass unnötige Artikel bevorratet werden und zusätzliche Lagerkosten entstehen.
3. Bestellungen planen, platzieren & prognostizieren
Planung ist enorm wichtig, vor allem in Hochsaisons wie dem chinesischen Neujahr. Checken Sie die Lieferpläne Ihre Lieferanten im Voraus, damit Sie flexibel planen können.
Achten Sie nicht nur darauf, dass Ihre Artikel pünktlich ankommen, sondern überlegen Sie auch, Ihre Bestellungen zu staffeln. So vermeiden Sie Überbestände und eine Überlastung Ihrer Lagerkapazitäten. Außerdem können Sie so Preisanstiege vermeiden, die dadurch entstehen, dass Sie Ihre Bestellungen in dieser Zeit beschleunigen wollen.
4. Teams für operative Prozesse abstimmen
Die Planung der Wareneingänge wird im Alltag leicht übersehen. Kleinere, zeitlich gestaffelte Lieferchargen sind für Logistikteams oft deutlich einfacher zu verarbeiten und einzulagern. Dadurch stehen ausreichend Personalressourcen für das Entladen zur Verfügung – und gleichzeitig genügend Fläche, um die Waren sicher einzulagern. Eine enge Abstimmung der Teams auf operativer Ebene stellt sicher, dass alle Bereiche auf die erhöhte Belastung rund um das chinesische Neujahrsfest vorbereitet sind.
5. S&OP anwenden
Der S&OP‑Prozess ist eine regelmäßig stattfindende Abstimmungsrunde, in der Vertrieb, Marketing, Operations, Finanzen und weitere Schlüsselbereiche einen integrierten Plan erstellen. Dieser vereint und harmonisiert die Perspektiven aller Funktionsbereiche, damit Angebot und aggregierte Nachfrage im Gleichgewicht bleiben. Der Plan sollte fortlaufend überwacht und bei Bedarf angepasst werden. Kurz gesagt: S&OP ist essenziell für Kommunikation, Transparenz und Ausrichtung im gesamten Unternehmen – besonders in Zeiten planbarer, aber intensiver Störungen wie rund um das chinesische Neujahr.
6. Externe Einflussfaktoren berücksichtigen
Traditionelle Forecasting‑Methoden gehen häufig davon aus, dass jede Verkaufsperiode ähnliche Ergebnisse liefert oder das vergangene Perioden zuverlässig auf zukünftige Absatzmengen schließen lassen. Wer ausschließlich historische Daten verwendet, verliert jedoch schnell aus dem Blick, was extern passiert. Wie ein chinesisches Sprichwort sagt: „Ein Jahr der Planung beginnt im Frühling.“ Wenn Sie also für das neue Jahr planen, sollten Sie unbedingt externe Einflussfaktoren berücksichtigen.
Regulatorische Änderungen sind ein wichtiger Faktor, den Sie bei der Prognose unbedingt im Auge behalten sollten. Beispiel Automobilindustrie: Führen Regierungen strengere Vorgaben für saubere Energie ein oder erhöhen CO₂‑Abgaben, kann dies den Absatz von Elektrofahrzeugen – und damit nach entsprechenden Komponenten – stark ansteigen lassen.
Auch im Handel ist Agilität gefragt. Mit dem anhaltenden Wachstum des E‑Commerce stehen traditionelle Filialhändler zunehmend unter Druck, ein Omnichannel‑Erlebnis zu bieten. Erfolgreiche Händler beobachten die Online‑Nachfrage sehr genau und passen ihre Forecasts kontinuierlich an, um Überbestände oder Out‑Of‑Stocks zu vermeiden.
Für die Planung rund um das chinesische Neujahrsfest gilt daher: Berücksichtigen Sie sämtliche externen Einflussfaktoren, um sicherzustellen, dass Ihre Forecasts den neuesten Entwicklungen entsprechen und flexibel angepasst werden können.
7. Stakeholder-Kommunikation stärken
Kommunizieren Sie stets alle relevanten Informationen, die zur Optimierung Ihrer Supply Chain beitragen können, an sämtliche Stakeholder. In der Supply-Chain-Welt haben hat die Endkundennachfrage den stärksten Einfluss: Schon kleine Veränderungen verstärken sich entlang der Lieferkette zunehmend. Je weiter man sich vom Endkunden entfernt, desto größer fallen diese Schwankungen aus.
Mit dem nahenden chinesischen Neujahrsfest versuchen viele, sich durch zusätzliche Bestände vor Lieferengpässen und nicht erfüllten Kundenaufträgen zu schützen. Dadurch entstehen große Pufferbestände, um die Schwankungen in der Supply Chain abzufedern.
Das Teilen von Forecasts – intern wie extern – sowie eine effektive und rechtzeitige Kommunikation unterstützen alle Beteiligten dabei, den Überblick zu behalten, sich entsprechend auszurichten und Bestandsverschwendung zu reduzieren.
8. Risikomanagement
Eine erfolgreiche Risikomanagementstrategie berücksichtigt alle Faktoren – selbst wenn das Risiko zunächst gering erscheint. Die Identifikation sämtlicher potenzieller Risiken sowie die Entwicklung möglicher präventiver und korrigierender Maßnahmen hilft, Situationen zu vermeiden, in denen man überrascht oder handlungsunfähig ist.
Eine wirksame Strategie besteht darin, die Beschaffungsquellen zu diversifizieren. Wenn ein Lieferant einen Lieferengpass hat, stellt Multi-Sourcing sicher, dass alternative Bezugsquellen verfügbar sind. Zudem können unterschiedliche Lieferanten mit variierenden Lieferzeiten zu einem besseren Gleichgewicht zwischen Kosten und Effizienz beitragen, da sie mehr Flexibilität ermöglichen und den erforderlichen Bestand sicherstellen.
Flexibilität ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Planung rund um das chinesische Neujahrsfest. Nehmen Sie sich deshalb Zeit, um alle potenziellen Risiken zu identifizieren und einen Maßnahmenplan zu erstellen, der es Ihnen ermöglicht, auch in potenziellen Stresssituationen ruhig und strukturiert zu handeln.
Chinesisches Neujahr: Die wichtigsten Planungsschritte
Um das chinesische Neujahr erfolgreich zu meistern, sollten Sie Ihre Planung idealerweise in mehreren klar strukturierten Schritten aufbauen:
Wischen Sie auf dem Smartphone horizontal, um die vollständige Tabelle anzuzeigen.
Wenn Sie Ihre Planung an diesen Meilensteinen ausrichten, sind Sie vorbereitet und können Risiken reduzieren, das Servicelevel aufrechterhalten und den Umsatz auch während der Unterbrechungsphase zum chinesischen Neujahrsfest sichern.
Fazit
Das chinesische Neujahr 2026 bringt eine vorhersehbare, aber trotzdem große Herausforderung mit sich. Firmen, die proaktiv sind, schon Monate vorher mit der Planung anfangen, die richtigen Fragen stellen und Daten aus der Lieferkette in ihre Entscheidungen einbeziehen, sind besser gerüstet, um mit Schwankungen umzugehen.
Durch die Kombination von strategischer Weitsicht und operativer Disziplin überstehen Sie nicht nur den saisonalen Rückgang, sondern gehen gestärkt daraus hervor und sind bereit für Wachstum in der Zeit nach den Feiertagen. Beginnen Sie noch heute mit der Planung.








