Überblick


Ein effektives Bestandsmanagement erfordert mehr als nur eine einfache Lagerbestandsverfolgung. Sie erfordert ein klares Verständnis dafür, wie jedes einzelne Produkt zur Gesamtrentabilität beiträgt. Während Unternehmen meist KPIs wie Umsatz, Servicelevel und Überbestände überwachen, wird eine wichtige Kennzahl häufig übersehen: der GMROI (Gross Margin Return on Investment). Diese Kennzahl geht über reines Volumen und Warenbewegung hinaus und macht die tatsächliche finanzielle Leistungsfähigkeit des Bestands sichtbar, indem er Marge, Umsatz und Lagerinvestitionen miteinander verknüpft. In diesem Artikel wird erläutert, was GMROI ist, wie er berechnet wird und warum es eine zentrale Rolle bei Sortimentsentscheidungen, Lieferantenanalysen und der strategischen Planung spielt.

Was sind die wichtigsten KPIs zur Messung der Lagerleistung? Die Antwort hängt stark von der Branche, dem Geschäftsmodell und dem Unternehmen selbst ab. Dennoch gibt es mehrere allgemeine relevante Faktoren wie Lagerumschlag, Servicelevel, Lagerdauer, Überbestände usw.

In diesem Artikel möchten wir einen Schritt weiter gehen und uns auf einen äußerst nützlichen, aber oft zu wenig genutzten KPI konzentrieren: den GMROI.

 

Was ist GMROI (Gross Margin Return on Investment)?

Gross Margin Return on Investment, kurz GMROI, ist eine Kennzahl zur Bewertung der Rentabilität des Lagerbestands. Vereinfacht ausgedrückt zeigt diese Kennzahl, wie viel Bruttogewinn pro investierten Euro im Lagerbestand erzielt wird.

Ein Beispiel hierzu wäre ein GMROI von 1,5. Dies bedeutet, dass ein Unternehmen für jeden in den Lagerbestand investierten Euro einen Bruttogewinn von 0,50 € erwirtschaftet hat. Ein Wert unter 1 zeigt hingegen, dass der Lagerbestand nicht rentabel ist, da die erzielte Marge die Investition nicht deckt und somit Verluste entstehen.

Kurz gesagt ist der GMROI eine wertvolle Kennzahl für die Entscheidungsfindung, insbesondere im Sortimentsmanagement. Er hilft dabei, Produkte, Linien oder Kategorien entsprechend ihrer tatsächlichen Rentabilität zu priorisieren, die Lagerinvestitionen zu optimieren und sowohl Chancen als auch Probleme innerhalb des Katalogs zu identifizieren.

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Wie wird der GMROI berechnet?

Der GMROI basiert auf einer einfachen Formel, die drei wesentliche Variablen zur Bewertung der Rentabilität des Lagerbestands kombiniert:

  1. Marge,
  2. prognostizierter Umsatz
  3. und verfügbarer Lagerbestand.

Die allgemeine GMROI-Formel lautet:

 GMROI = Bruttomarge (%) × Lagerumschlag

Es gilt:

Daraus lassen sich drei wichtige Schlussfolgerungen ziehen:

  • Der GMROI steigt, wenn die Marge steigt, was bedeutet, dass profitablere Produkte verkauft werden.
  • Der GMROI steigt, wenn die Umsatzprognosen steigen, da der Lagerbestand schneller in Gewinn umgewandelt wird.
  • Der GMROI sinkt, wenn der verfügbare Lagerbestand steigt, da das im Lagerbestand gebundene Kapital die Kapitalrendite verringert.

Somit misst diese Kennzahl nicht nur die Rentabilität des Lagerbestands, sondern hebt auch die Faktoren hervor, die diese beeinflussen: Preis, Nachfrage und Lagerbestände.

 

Praktisches Beispiel zur Berechnung des GMROI

Stellen Sie sich einen Artikel mit den folgenden Daten vor:

  • Verkaufspreis (Selling price): 0.1310€
  • Einstandspreis (Cost price): 0.0351€
  • Verfügbarer Lagerbestand (Available stock): 31,600 Einheiten
  • Gesamtumsatzprognose – 12 Monate (Total sales forecast): 210,231.96 Einheiten

 

1. Margenberechnung

Das bedeutet, dass jede verkaufte Einheit eine Bruttomarge von 73,2 % auf ihre Kosten erzielt.

2. Lagerumschlag

Der Lagerumschlag wird somit 6,7-mal pro Jahr erneuert.

3. GMROI-Berechnung

GMROI = Bruttomarge x Lagerumschlag = 73,2 x 6,7 = 487

Ein GMROI von 487 bedeutet, dass jeder in den Lagerbestand investierte Euro eine Bruttomarge von 4,87 € pro Jahr generiert.

 

Die Rolle des GMROI im Sortimentsmanagement

In Unternehmen mit einem umfangreichen Produktkatalog tragen nicht alle Artikel gleichermaßen zum Umsatz bei. Einige Artikel weisen hohe Margen, aber einen langsamen Umschlag auf, andere verkaufen sich schnell, erzielen jedoch nur geringe Margen. Wieder andere binden lediglich Lagerfläche und Kapital, ohne einen nennenswerten Mehrwert zu schaffen.

Die Analyse des GMROI, der Marge und Umschlag miteinander verknüpft, ermöglicht den Wechsel von einer rein mengenorientierten hin zu einer wirtschaftlichen Betrachtung des Lagerbestands.

Durch Multiplikation der Marge mit dem Umschlag entsteht eine Kennzahl, die als Entscheidungsgrundlage für die Bestandsstrategie dient und aufzeigt, ob ein Artikel im Sortiment verbleiben soll. Produkte mit hoher Marge und hohem Umsatz gelten dabei als besonders attraktiv, während Artikel mit niedriger Marge und geringem Umschlag eine Auslistung rechtfertigen können.

 

Ein praktisches Beispiel für die Verwendung der GMROI-Funktion von Slim4

Lassen Sie uns die Auswirkungen des GMROI auf das Sortimentsmanagement anhand eines praktischen Beispiels in Slim4, unserer Plattform für die Supply-Chain-Planung, untersuchen. Stellen Sie sich vor, wir möchten die Performance der Produkte eines Lieferanten analysieren und ihren Beitrag zur Gewinnmarge jeder einzelnen Referenz bewerten.

In Slim4 wird dies über die GMROI-Funktionalität berechnet. Die Bruttomarge ergibt sich aus dem Verkaufspreis abzüglich des Einkaufspreises, geteilt durch den Einkaufspreis. In der folgenden Abbildung haben wir vier Bruttomargensegmente, dargestellt: 0–10 %, 10–50 %, 50–100 % und über 100 %. Der Lagerumschlag gibt an, wie oft ein Artikel im Jahr durchschnittlich verkauft wird. In diesem Beispiel wurden folgende Umsatzsegmente definiert: 0–2-mal, 2–5-mal, 5–12-mal, 12–18-mal und mehr als 18 Mal.

 

example of GMROI

 

Zurück zu unserem Beispiel: Nehmen wir an, dass das analysierte Unternehmen der Lieferant für 37 unserer Artikel ist. Welche Aussagen lassen sich anhand des GMROI treffen?

 

how to calculate GMROI_ practical example

 

Durch Multiplikation von Marge und Umsatz ergibt sich ein Wert, der bei der Entscheidung unterstützt, welche Produkte vorrätig gehalten werden sollten. In diesem Szenario zeigen 34 der Referenzen eine gute bis ausgezeichnete Performance, was bedeutet, dass sie grundsätzlich einen festen Platz im Sortiment haben sollten. Drei Referenzen weisen hingegen eine niedrigere Performance auf, was eine detailliertere Analyse erfordert und gegebenenfalls eine Auslistung nahelegt.

Neugierig, wie GMROI Ihr eigenes Sortiment verbessern kann? Mit der Sortimentsmanagement-Software von Slimstock können Sie auf einen Blick erkennen, welche Produkte am besten abschneiden, welche weniger gut laufen und so fundiertere Entscheidungen zum Lagerbestand treffen (ohne Spekulationen).

 

GMROI und strategische Entscheidungsfindung

Auch über die Sortimentsanalyse hinaus ist GMROI ein wichtiger Performanceindikator, der auch übergeordnete Geschäftsentscheidungen unterstützen kann.

Er kann beispielsweise genutzt werden, um Preisstrategien zu überprüfen, Verhandlungen mit Lieferanten zu führen oder Einkaufsstrategien neu zu definieren. Zeigt eine Kategorie einen hohen Umschlag, aber einen niedrigen GMROI, ist die Marge möglicherweise unzureichend. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, Preise mit dem Lieferanten neu zu verhandeln oder die Verkaufspreise für den Endkunden anzupassen.

Der GMROI ist zudem nützlich bei der Bewertung von Kampagnen oder Werbeaktionen. Eine Marketingmaßnahme, die zunächst den Umsatz steigert, mag auf den ersten Blick erfolgreich erscheinen. Führt sie jedoch zu einer so starken Reduzierung der Stückmarge, dass der GMROI sinkt, kann ihr tatsächlicher Einfluss auf die Rentabilität negativ sein.

 

Fazit

GMROI bleibt eine Kennzahl, die viele Unternehmen trotz ihres enormen Potenzials entweder nicht kennen oder nur oberflächlich nutzen. Dabei verbindet kaum eine andere Kennzahl drei wesentliche Aspekte eines jeden Unternehmens so klar miteinander: Lagerbestand, Umsatz und Marge.

Genau darin liegt seine Stärke. Durch die Kombination von finanziellen und operativen Perspektiven bietet GMROI ein vollständiges Bild der Lagerbestandsleistung.

 

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