Reduzierung von CO2-Emmissionen durch präzise Bestandsverwaltung

Wir wissen, dass die Erderwärmung eine ernsthafte Bedrohung für unseren Planeten darstellt. Die größte Ursache für die rapide voranschreitende Erwärmung ist der Kohlendioxid-Ausstoß der Industrieländer. Die Europäische Union (EU), die Vereinten Nationen (UN) und viele andere Länder haben Gesetze eingeführt, damit Unternehmen zwanghaft Maßnahmen ergreifen, um ihre CO2-Emissionen bis 2050 drastisch zu reduzieren. Jedoch werden in dem ganzen Maßnahmenkatalog oftmals sinnvolle Maßnahmen im Bereich Bestandsmanagement nicht berücksichtigt.

Kennen Sie den CO2-Ausstoß Ihrer Lieferkette? 

Für viele Unternehmen ist es mittlerweile selbstverständlich, die Nutzung des Fuhrparks und der Gebäude bezüglich des Emissionsverbrauchs hin zu optimieren. In diesem Fall werden betriebliche Entscheidungen getroffen, die eine ökologische und ökonomische Ausnutzung der Ressourcen regeln.

Anders sieht es in der Supply Chain insbesondere im Bereich Bestandsmanagement und Transport aus. Wie die Non-Profit-Organisation CDP, die weltweit über die genauesten Daten hinsichtlich des Einflusses von Städten, Regionen und Unternehmen auf das Klima verfügt, in einem Bericht erwähnte, sind die CO2-Emissionen in den Lieferketten der Unternehmen im Durchschnitt viermal so hoch wie deren Aktivitäten selbst, also wie die Emissionen von Maschinen und Gebäuden.

Wichtig also, sich die eigene Supply Chain anzuschauen und zu analysieren, auf welche Bereiche man als Unternehmen selber Einfluss nehmen kann. Legen wir im Folgenden den Fokus auf die Bestandsverwaltung.  Hier ist es besonders wichtig, die richtigen Bestandsentscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen. Entscheidend sind deshalb präzise Daten und nicht das Bauchgefühl.

Die zwei wichtigsten Bereiche zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Bestandsmanagement sind:

1. Prognosen

Durch genaue Prognosen können Unternehmen sicherstellen, dass die richtigen Produkte zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind. Obwohl dies einfach klingt, bereitet es vielen Lager- und Lieferkettenmanagern starke Kopfschmerzen. Infolge ineffektiver Prognosen werden viele Unternehmen mit Über- und Unterbeständen konfrontiert. Robuste Prognosen hingegen, helfen Supply-Chain-Teams Trends, Saisonalität und Volatilität zu erkennen. Dennoch weist jede Branche ihre eigenen Komplexitäten auf.

Lebensmittel

In der Lebensmittelindustrie spielt das Management von Verderblichkeit eine wichtige Rolle bei der Vermeidung und Reduzierung von Abfall. Um effektive Prognosen zu erstellen, ist es von entscheidender Bedeutung, die Haltbarkeit eines Artikels zu berücksichtigen.

Eine bessere und genauere Prognose für Lebensmittel kann den Abfall reduzieren und somit unnötige Kohlenstoffemissionen minimieren. Um eine zuverlässigere Prognose zu erreichen, könnte dies bedeuten, dass die Prognose auf kürzeren Horizonten basiert. Bei frischen Produkten beispielsweise, liefert eine tägliche Prognose wahrscheinlich die besten Ergebnisse. Ein differenzierter Ansatz bei Artikeln mit einer sehr kurzen Haltbarkeit kann also zu einer Minimierung des Abfallrisikos führen. Wenn Sie sich zum Beispiel verzehrfertige Mahlzeiten ansehen, muss nicht jede Mahlzeit bis zum Ende des Tages verfügbar sein. Infolgedessen kann eine Prognose auf Gruppenebene erstellt werden.

Ein Beispiel: Der Kunde sollte die Wahl zwischen einem italienischen und einem indischen Essen haben. Bei den italienischen Gerichten bedeutet dies jedoch nicht zwangsläufig, dass jede Art von Nudeln bis zum Ende des Tages verfügbar sein muss, solange zumindest einige der Nudelgerichte noch angeboten werden. Dies bedeutet, dass der Sicherheitsbestand nicht auf der Artikelebene, sondern auf der Artikelgruppenebene berechnet werden muss. Dadurch wird das Abfallrisiko am Ende des Tages drastisch reduziert.

Mode

Die Modebranche ist bekannt für ihre Preisnachlässe am Ende der Saison. Wenn Produkte jedoch nach starken Preisnachlässen immer noch nicht verkauft wurden, müssen sie vernichtet werden.

Natürlich ist die Modebranche mit eigenen Herausforderungen konfrontiert, wie z.B. lange Vorlaufzeiten und kurze Produktlebenszyklen mit vielen neuen Produkteinführungen. Unter Berücksichtigung saisonaler Muster und demografischer Zahlen wie Größenkurvenverteilungen pro Geschäft, ist es jedoch weiterhin möglich, genaue Prognosen zu erstellen.

Durch die Verwendung dieser Prognosen zur Optimierung der Bestandsverteilung in den Filialen werden wiederum Überproduktionen und Abfälle reduziert. Darüber hinaus können auch Kohlenstoffemissionen beseitigt werden, die durch vermeidbare interne Transporte aufgrund schlechter Allokationen verursacht werden.

Produktion

Das letzte Beispiel stammt aus dem verarbeitenden Gewerbe. Für die meisten Unternehmen ist die Produktionskapazität begrenzt. Daher ist eine genaue Planung der Produktion von entscheidender Bedeutung.

Um die Produktion effektiv planen zu können, muss eine solide Prognose auf der Grundlage zukünftiger Verkäufe erstellt werden. Da Hersteller häufig langen Vorlaufzeiten für Rohstoffe ausgesetzt sind, kann der Produktionsprozess oft viele Wochen dauern. Infolgedessen ist es nicht ungewöhnlich, dass produzierende Unternehmen die Produktion aufbauen, um die Nachfrage sechs Monate voraus zu befriedigen.

Ungenaue Prognosetechniken können zum Kauf falscher Rohstoffe führen, was zu unnötigen Transport- und Produktionskosten führt. Beides wirkt sich nachteilig auf den CO2-Fußabdruck des Unternehmens aus.

2. Bestandsoptimierung

Die Prognose ist nicht der einzige Bereich, den es bei der Bestandsverwaltung zu beachten gilt. Die Art und Weise, wie Produkte bestellt und versendet werden, sind der Schlüssel zur Reduzierung der CO2-Emissionen. Wenn Sie jede Woche ein paar Paletten der Produkte Ihres Lieferanten benötigen, hängt es von der jeweiligen Situation ab, ob es optimal ist, wöchentlich zu bestellen.

Wenn die Fracht mit anderen Lieferanten gebündelt werden kann, ist dies möglicherweise eine gute Lösung, um einen Container gänzlich zu füllen.

Alternativ kann es vorteilhaft sein, weniger vollständige Sendungen zu bestellen. Dies wird nicht nur die Kosten senken, sondern auch zu einer Reduzierung der CO2-Emissionen führen. Natürlich hängt es von der Art des Produkts ab, ob dies eine praktikable Option ist.

Darüber hinaus berechnen nur sehr wenige Unternehmen die tatsächlichen Bestandskosten. Ist die Beschaffung in Übersee wirklich billiger? Oft sind Unternehmen gezwungen, große MOQs (Mindestbestellmengen) einzukaufen, wenn sie aus Übersee bestellen. Lokale Beschaffungen scheinen auf den ersten Blick etwas teurer zu sein. In der Realität können lokale Lieferanten jedoch möglicherweise mehr Flexibilität, kürzere Vorlaufzeiten und niedrigere Transportkosten anbieten. Darüber hinaus kann das geringere Risiko die Notwendigkeit, Sicherheitsbestände zu halten, sowie die Gesamtkosten für die Lagerhaltung, reduzieren. Letztendlich können all diese Faktoren dazu beitragen, die CO2-Emissionen in der gesamten Lieferkette zu reduzieren.

Beginnen Sie mit Ihrer eigenen Lieferkette

Eine Bestandsoptimierung in Ihrem Unternehmen kann direkt zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen. Die Analyse von Daten zur Erstellung besserer Prognosen, ein effizienteres Management der Lieferkette (z. B. durch die Bestellung ganzer Lkw-Ladungen oder die Zusammenlegung von Frachten) sowie eine höhere Agilität, um schneller auf dem Markt reagieren zu können, sind alles Möglichkeiten, die Ihnen helfen werden, den CO2-Fußabdruck Ihres Unternehmens zu reduzieren.


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