Vier Tipps für den richtigen Lagerbestand im E-Commerce

Von Jan Kraaijeveld - SCM-Experte bei Slimstock B.V.

Seit rund 10 Jahren boomt der Onlinehandel. Durch die Corona-Pandemie hat dieser ein zusätzliches Wachstum erfahren. Grund für viele lokale Einzelhändler in das Onlinegeschäft einzusteigen. Allerdings heißt es hier Vorsicht walten zu lassen, denn die Bestandsverwaltung für Online-Vertriebskanäle ist sehr komplex.

Insbesondere die Artikelverfügbarkeit ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg im E-Commerce. Ist ein Produkt nicht auf Lager, so sucht der Kunde das Produkt schnell in einem anderen Webshop und wird meist fündig. Damit gibt der Kunde nicht nur sein Geld bei der Konkurrenz aus, sondern im schlimmsten Fall wandert er auch ab und besucht bei seinem nächsten Onlineeinkauf sofort den Shop eines Konkurrenten. Eine hohe Verfügbarkeit ist daher vorteilhaft für den Umsatz, die Kundenzufriedenheit und für eine langfristige Kundenbindung.

Die Kehrseite: Lagerhaltung kostet Geld in Form von Zinsen, Platz und Risiko. Ständig lauern Margenverluste. Sicherlich können Sie von jedem Artikel einen hohen Lagerbestand vorsehen. Doch so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Sie schließlich überschüssige Bestände haben werden und Ihre Lagerhaltungskosten in die Höhe schnellen. Hinzu kommt, dass Sie ausreichend  Lagerfläche für all diese Bestände schaffen müssen.

Nachdem viele Unternehmen ihr Sortiment unkontrolliert wachsen ließen, um mit den großen E-Commerce-Akteuren konkurrieren zu können, ruderten sie schließlich zurück als sie sahen, dass nur ein kleiner Teil der Artikel wirklich profitabel war. Unternehmen wie FonQ und Blokker in den Niederlanden gingen daher einen anderen Weg und „rationalisierten" ihr Angebot erheblich. Mit einem schmaleren Produktsortiment erhöhten sie den Umsatz pro Artikel. Artikel, die nur selten verkauft wurden, werden fortan nur bestellt, wenn es im Gegenzug eine Kundenbestellung gibt.

Das richtige Gleichgewicht zwischen Verfügbarkeit und Lagerhaltungskosten ist die große Herausforderung bei der Bestandsverwaltung im E-Commerce.

Im Folgenden geben wir Ihnen 4 Tipps, worauf Sie auf jeden Fall bei der Bestandsverwaltung im E-Commerce achten sollten:

1. Die Unternehmensstrategie gibt den Fokus vor

Wichtig für die Lageroptimierung ist es, die Gesamtstrategie des Unternehmens zu kennen. Welche Art von Unternehmen möchten Sie sein? Wollen Sie online mit den Großen konkurrieren oder eher eine Nische bedienen? Welche Produkte benötigen Sie dafür? Welches sind die wichtigen Produkte, für die Sie ein hohes Serviceniveau anbieten möchten, und welche Artikel werden Sie NICHT auf Lager haben. Wenn Sie dafür auf Geschäftsführungsebene keine klaren Regeln formulieren, wissen Sie eines ganz sicher: Ihr Bestand wird völlig entgleisen. Verhindern Sie, dass Bestandsmanager ihre Entscheidungen nach dem Bauchgefühl treffen müssen.

2. Artikelklassifizierung

Eine häufige Ursache für Bestandsprobleme ist, dass Planer viel Geld für die falschen Artikel ausgeben. Eine ABC-Analyse des Sortiments auf der Grundlage des Umsatzes kann dies deutlich machen. Sie werden sehen, dass selbst in Ihrem Unternehmen achtzig bis neunzig Prozent des Umsatzes nur mit zehn Prozent der Artikel erzielt wird. Etwas Ähnliches gilt für den Gewinn. Nehmen Sie eine ABC-Klassifizierung vor und stellen Sie sicher, dass A-Artikel bei Ihren Bestandsmanagern auf dem neuesten Stand sind.

3. Enge Abstimmung innerhalb des Unternehmens

E-Commerce hat eine hohe Dynamik, auf die Sie als Unternehmen schnell reagieren müssen. Insbesondere online gibt es volle Transparenz bei Angebot, Preisen und Verfügbarkeit, was das Kundenverhalten unberechenbar macht. Wenn Ihr Konkurrent beschließt, den Preis für einen Artikel zu senken oder zusätzlich über verschiedene Kanäle zu bewerben, kann die Nachfrage nach diesem Produkt in Ihrem Webshop über Nacht zusammenbrechen.

Supply Chain Mitarbeiter, Disponenten oder Einkäufer sehen schnell, welche Artikel kurz- oder mittelfristig nicht mehr vorrätig sind bzw. bei welchen Artikeln es zu einem Überbestand kommt. Der Verkauf und das Marketing können in dem Fall Kampagnen aufsetzen und versuchen, die Nachfrage durch Preise, Werbeaktionen oder Position auf der Website anzupassen. Im E-Commerce ist daher ein datengesteuertes Arbeiten unabdingbar, um die Margen zu optimieren und die Bestände unter Kontrolle zu behalten.

4. Prozesse automatisieren

Versuchen Sie, Routine-Entscheidungen so weit wie möglich zu automatisieren. Es sollte Entscheidungsregeln geben, wenn z.B. die Nachfrage nach einem bestimmten Artikel plötzlich in die Höhe schnellt. Was bedeutet dies für den Lagerbestand und für die weiteren Verkäufe? Und was bedeutet dies für das Unternehmen – eine Preiserhöhung oder ein Kampagnen-Stopp? Wichtig ist, dass die Bestandsmanager, der Verkauf und das Marketing in diesen Alarmsituationen Benachrichtigungen erhalten, um schnell zwischen den Szenarien zu wechseln.

Insbesondere für das Produktlebenszyklusmanagement muss ein robuster Prozess eingerichtet werden, denn genau da geht oftmals etwas schief. Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie Sie ein neues Produkt einführen? Wer bestimmt die Anfangsprognose? Dasselbe gilt für das Auslaufen des Produktes: Wenn ein Artikel seinen Höhepunkt überschritten hat und die Nachfrage zu sinken beginnt, muss eine Veränderung der Lagerhaltungsstrategie eingeleitet werden.

Schlussfolgerung

Die Lagerverfügbarkeit ist ein entscheidender Faktor für den E-Commerce in Bezug auf Umsatz, Gewinnspanne und Kundenzufriedenheit. Bestimmen Sie zunächst Ihre Strategie und setzen Sie diese in datengesteuerte Prozesse um. Stellen Sie sicher, dass sich die Planer auf Dinge konzentrieren, mit denen Sie Ihr Geld verdienen können.


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