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Lagerbestandsoptimierung

Das Management des Lagerbestands ist ein wichtiger Faktor für das Betriebsergebnis. Die Lagerbestandsoptimierung ist deshalb von großer Bedeutung – denn die Lagerkosten sind neben den Transportkosten der größte Kostenpunkt in der Logistik. Das Senken der Lagerbestände führt folglich zu erheblichen Kostenreduzierungen. Das zentrale Vorhaben der Lagerbestandsoptimierung ist es, die Lagerkosten soweit zu reduzieren, wie es wirtschaftlich sinnvoll ist, ohne aber das Servicelevel zu senken. Bei der Einlagerung von Gütern wird Kapital gebunden, Flächen belegt und Betriebsmittel beansprucht, sodass Kosten entstehen. Bei verringerter Einlagerung entstehen Nachteile in Form von verzögerter Anlieferung des benötigten Materials sowie durch Störungen des Produktionsablaufs.

Es gilt daher, die ideale Balance zu finden zwischen Versorgungssicherheit des Unternehmens und der Reduzierung von Lagerbeständen. In erster Linie wird das durch eine wertschöpfungsorientierte Prozessgestaltung angestrebt.

1. Reduzierung der Lagerhaltungskosten

Die Lagerhaltungskosten setzen sich aus Bestandskosten, Personalkosten, Betriebskosten für Betriebsmittel, Gebäudekosten und sonstigen Kosten zusammen.

Zur Senkung der Lagerkosten werden technische und organisatorische Maßnahmen angewendet, beispielsweise:

  • Erhöhung der Umschlagshäufigkeit
  • Sortimentsbereinigung und Auflösen von „Lagerhütern“
  • Bestandsreduzierung bei einzelnen Artikeln
  • Reduzierung der Fertigungstiefe
  • Zentralisierung der Lagerbereiche
  • Mechanisierung und Automatisierung

Erhöhte Lagerbestände resultieren aus dem Wunsch nach hoher Flexibilität, hohen Servicegraden und hoher Zuverlässigkeit: Um kurzfristig auch einen ungeplanten Nachfragebedarf befriedigen zu können, müssen entsprechend große Vorräte im Lager vorhanden sein. So steht man zunächst vor dem Dilemma, zwischen den genannten Vorteilen bei überhöhten Lagerkosten und mangelnder Flexibilität usw. und geringeren Lagerkosten wählen zu müssen. Dieses Problem wurde meist an die Lieferanten weitergereicht, indem man von diesen kurzfristige Reaktionen auf Bestelländerungen verlangte. Das bedeutete aber nur eine Verlagerung der Schwierigkeiten: So hatten die Lieferanten mit überhöhten Beständen zu kämpfen. Die Größe des Lagerbestands und dessen Optimierung hängt daher davon ab, welchen Faktoren Priorität eingeräumt wird.

Die Perlenkettenstrategie ist eine Möglichkeit, diesem Problem zu begegnen. Das Produktionsprogramm wird für einen bestimmten zeitlichen Abschnitt eingefroren und es sind keine Änderungen mehr erlaubt. Durch die Übernahme dieses fixen Produktionsprogramms können Materialbestände entlang der gesamten Lieferkette reduziert werden. Diese Lösung stellt für viele Unternehmen eine große Herausforderung dar. Denn sie bedeutet ein flexibles Management der eigenen Produktion, die sich letztlich an der schwankenden Nachfrage der Verbraucher ausrichten soll. Diese Nachfrage vorausschauend richtig einzuschätzen, ist die zentrale Aufgabe der Lagerwirtschaft.

2. Lagerkosten berechnen und kontrollieren

Um die Lagerkostenoptimierung langfristig umzusetzen oder Lösungen wie die erwähnte Perlenkettenstrategie zu nutzen, ist eine effektive Kontrolle der Lagerkosten notwendig. Hierzu sollte man passende Kennzahlen festlegen und berechnen. Die Zu- und Abnahme der Lagerbestände kann so überwacht werden. Wenn nötig, werden Maßnahmen ergriffen, um bei unerwünschten Entwicklungen gegenzusteuern. Die Kennzahlen werden individuell vom Unternehmen festgelegt, sodass sie den jeweiligen Bedürfnissen und Zielen angepasst sind.

Eine der fundamentalen Kennzahlen ist der durchschnittliche Lagerbestand. Dieser sollte nicht pauschal, sondern genau berechnet werden. Ist er zu hoch, arbeitet die Lagerwirtschaft in der Regel nicht effizient genug, was Kosten- und Leistungsrechnungssicht angeht. Der durchschnittliche Lagerbestand sollte entsprechend eher gering gehalten werden, da das so freigesetzte Kapital meist besser genutzt werden kann. Eine Möglichkeit ist die Just-in-time-Produktion.

Unter Einbezug der Umschlagshäufigkeit kann der durchschnittliche Bestandswert ermittelt werden, der eine weitere sehr wichtige Kennzahl darstellt. Aus der Analyse Bestandswert, Umschlagshäufigkeit und Lagerbestand lassen sich Maßnahmen zur Lagerbestandsoptimierung ableiten.

Lagerbesatnd optimieren mit Lagerkennzahlen

3. Digitale Lagerbestandsoptimierung

Der technologische und digitale Fortschritt sorgt für einen Waren- und Gütertransport in Hochgeschwindigkeit. Ist die entsprechende Infrastruktur gegeben, kann mit digitaler Lagerbestandsoptimierung in praktisch allen Bereichen das Optimum zwischen Angebot und Nachfrage hergestellt werden. Moderne Software verfügt über eine Vielzahl an Verbindungspunkten und Schnittstellen zwischen Produktion, Handel und Logistik. Die entsprechenden Prozesse laufen in der Regel automatisiert ab, wodurch die benötigte menschliche Arbeitskraft reduziert und komplexe Abläufe deutlich erleichtert werden. Die Verbesserungen durch den digitalen Fortschritt werden in Zukunft weiter zunehmen. Die Vernetzung von Kunden, Produzenten und Zulieferern wird noch stärker werden, sodass eine generelle Erhöhung des Standards in der Lagerbestandsoptimierung in Aussicht ist.

4. Download

Laden Sie sich jetzt das PDF mit Übungsaufgaben zur Optimierung des Lagerbestands herunter: Übungsaufgabe Lagerkosten optimieren

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